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Geschichte der Bewegungskünste

Antike Hochkulturen

Die ältesten bildhaften Darstellungen von Gauklern wurden in Ägypten gefunden. Sie sind ca. 4000 Jahre alt und zeigen Darbietungen wie akrobatische Kunststücke, Jonglage und Zauberei. Auch andere Künste wie Stockkampf, Tanz und Feuerkunst waren schon damals eine Möglichkeit, um auf der Straße oder an den orientalischen Königshöfen sein Brot zu verdienen.

Beni Hasan, Ägypten, ca. 1900 vor Chr.

Römisches Reich

Darstellung auf einer römischen Grabsäule

Im römischen Reich wurde der Zirkus zu einer Arena der Grausamkeit: Sklaven waren die Darsteller und wurden als Gladiatoren aufeinander angesetzt oder mußten gegen Tiere kämpfen.
Das römische Reich entwickelte eine frühe Unterhaltungsindustrie unter den Namen: „panem et circensis“ - „Brot und Spiele“.
Um die Massen zu unterhalten, wurden zahlreiche und vielfältige Programme inszeniert: Gladiatorenkämpfe gegen Mann und Tier, Pferde- und Wagenrennen, Darstellungen von berühmten Schlachten und die materiell aufwendigste Darstellungsform in den Kolossen, die Seeschlachten.
Der damalige Zeitgeist nahm keinen Anstoß daran, dass Sklaven als Darsteller ihr Leben zur Erbauung der Massen verloren.
Neben dem Spektakel für die Massen blühten Künste wie Akrobatik, Jonglage, Seiltanz, Reitvorführungen und die Komödie auf,

Im Lateinischen bedeutet „Circus“ so viel wie Kreis und beschreibt damit auch die Form der Arenen und Kolossen des römischen Reiches. Hier ist auch der Ursprung des Zirkus zu finden.


Mittelalter

Eine weitere Hochzeit erlebte die Bewegungskunst im Mittelalter: Die sogenannten „Joculatoren“, wie damals Unterhaltungskünstler mit circensischen Fertigkeiten aller Art bezeichnet wurden, fanden ihr Publikum auf Marktplätzen, bei kirchlichen Festen, bei öffentlichen Hinrichtungen und bei höfischem Leben des Adels.

Sie waren das „fahrende Volk“: Gaukler, Geschichtenerzähler und Nachrichtenüberbringer gleichermaßen.
Die Vielfältigkeit der Künste nahm zu.
Neben Jongleuren, Akrobaten und Zauberern gab es auch Taschenspieler, Puppenspieler, Wahrsager, Wanderprediger oder exotischen Menschen wie Riesen, Zwerge und Doppelmenschen.
Einigen wurde im Laufe der Zeit ihr Können und Wissen sogar als eigener Beruf anerkannt, zum Beispiel: Spielleute und Musiker.

Verehrt und angespien
Die Gaukler genossen aus gesellschaftlicher Sicht kein Ansehen, da sei auf "unehrliche" Art Brot und Geld verdienten. Die Gaukler bewegten sich ausserhalb der Ordnung welche von Gott gegeben war.
Dies verschreckte und fasziniert die Menschen zugleich.
Trotz der Verachtung erfüllten Sie eine wichtige Gesellschaftliche Aufgabe:
Die kirchliche und höfische Darstellung brauchte die Wirkung der Gauklerischen Kunstfertigkeiten. Musik und Unterhaltung war im mittelalterlichen Alltag ein seltenes und außergewöhnliches Erlebnis.

Renissance

Im 16. Jahrhundert sind die Wurzeln der klassische Clownerie zu finden: Die „Commedia dell´arte“ entstand. „Commedia“ bedeutet „Schauspiel“ und „Arte“ ist das Handwerk. In bunten Kostümen und aufwendigen Masken, zeigten Berufsschauspieler vielfältige Komödien, in welchen sie meist bestimmte Charaktere darstellten.

Das Selbstverständnis der Clownerie findet heute noch seinen Ursprung im starken Körperausdruck und der Interaktion mit dem Publikum aus der Zeit der „ Commedia dell´arte“.

Reitschule mit Dach

Im Jahr 1772 schlägt die Geburtsstunde des modernen Zirkus. In London eröffne der britische Ex-Soldat Philipp Astley eine Reitschule, die später ein Dach erhält. So entstand als „amphi theatre“, das das erste Zirkusgebäude der Neuzeit. Zum Vergnügen der Massen wurden wurden im unternehmerischen Sinnen die damals sehr beliebten Kunststücke von Pferdeakrobaten inszeniert und präsentiert.

Durch die Dominanz der Pferdedarbietungen war die runde Form der Manege vorgegeben und bestimmt noch heute Bild des traditionellen Zirkus.

Die Französischen Revolution von 1789 eröffnete den Bewegungskünstlern neue Freiheiten. So verlagerte sich die zirzenische Entwicklung nach Frankreich und Kontinentaleuropa.

Neue „Kundengruppen“ aus der Mittel- und Unterschicht konnten gewonnen werden. Entsprechend dem Geschmack des Publikums wurde das angebotene Programm vielfältiger und veränderte zunehmend seinen Charakter: Weniger Pferdenummern, statt dessen mehr exotische Tiere, gefährliche Dressuren und extravagante Kunststücke.

Haltet Eure Töchter fest!

Anders als das fahrende Volk im Mittelalter bringt es der Zirkus sogar zu gewisser sozialer Anerkennung. Dennoch haftet an der kleinen Zelt- und Wagenstadt nach wie vor der Geruch von Abenteuer, Nonkonformismus und großer weiter Welt. Der damals übliche Spruch „Haltet Eure Töchter und Handtaschen fest, der Zirkus ist in der Stadt“ beschreibt das Misstrauen, das diesen wandernden Künstlergruppen auch am Ende des 19. Jahrhunderts noch entgegengebracht wird.

Diese Zeit ist trotzdem eine gute für Zirkusunternehmen, sie mausern sich zu lukrativen Geschäften. Ein klassisches Beispiel ist der berühmte Circus Barum, der im Jahr 2003 sein 125-jähriges Bestehen feierte und damit zu den ältesten in Europa zählt.

Die Anziehungskraft des Zirkus aufs Publikum ist inzwischen so groß, dass sogar stationäre Zirkusbauten errichtet werden können. So baut der Zirkus Sarrasani 1912 in Dresden ein festes Manegengebäude, das erst der Bombennacht des 13. Februar 1945 zum Opfer fällt.

Wechselvolles Geschick

Die goldenen Jahre des Zirkus enden mit dem Ersten Weltkrieg. Die nun folgende Zeit ist vom Niedergang gekennzeichnet; Inflation und Wirtschaftskrisen machen den übers Land ziehenden Unternehmen zu schaffen und nach 1933 verwehren ihnen die Nationalsozialisten aus ideologischen Gründen die Anerkennung.
Dem kurzen Aufschwung nach 1945 folgen dann neue Probleme: Der rasch wachsende Wohlstand bringt eine zunehmende Zahl von Fernsehgeräten und eine enorme Reiselust. Es stellt sich die Frage: Kann Zirkus noch Attraktives bieten, wenn die Menschen die große weite Welt entweder täglich auf der Mattscheibe sehen oder sogar
schon selbst bereist haben?

Die Antwort der Zirkusleute ist schlicht und überzeugend: Schnuppert die Zirkusluft! Zirkus ist heute Familienerlebnis, bietet Artistik vom Feinsten, Tiere zum Anfassen, Clowns, die einen zum Lachen bringen. Und - natürlich - den unvermeidlichen Geruch von Sägespänen. Den kann die sterile abendliche Hochglanz-Fernsehunterhaltung nicht bieten. Hoffentlich haben die Leute vom Zirkus recht und viele Menschen erkennen das - bevor das letzte Zirkuszelt von den Festplätzen und aus unserem Leben verschwunden ist.